Akif Pirinçci: aus dem Artikel über Aydan Özoğuz, an dem ich gerade arbeite.. .

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AUSSCHNITT (Akif Pirinçci ist auch „halbgar“ bereits lesenswertaus dem Artikel über Aydan Özoğuz, an dem ich gerade arbeite …

„Lange hatte man von der Frau, deren Erscheinungsbild an eine karge anatolische Felslandschaft erinnert, nichts gehört. Also zwei oder drei Monate lang nichts. Bis sie sich am 14. Mai im Berliner „Tagesspiegel“ wie mit einem Tusch zu der nicht wirklich ernstgemeinten Leitkultur-Debatte wieder zu Wort meldete. Schon die erste Salve dürfte für Tumult unter den Anstaltsinsassen vor der Tablettenausgabe gesorgt haben:

„Deutschland ist vielfältig und das ist manchen zu kompliziert. Im Wechsel der Jahreszeiten wird deshalb eine Leitkultur eingefordert, die für Ordnung und Orientierung sorgen soll. Sobald diese Leitkultur aber inhaltlich gefüllt wird, gleitet die Debatte ins Lächerliche und Absurde, die Vorschläge verkommen zum Klischee des Deutschsein. Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar. Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt. Globalisierung und Pluralisierung von Lebenswelten führen zu einer weiteren Vervielfältigung von Vielfalt.“

Man beachte, daß die Türkin den Deutschen zumindest eine gemeinsame Sprache zugesteht. Okay, sagt sie, die Deutschen reden nunmal Deutsch miteinander, Shit happens! Man merkt es der Formulierung aber an, daß sie dieses Zugeständnis nur widerwillig über die Lippen bringt. Denn wäre es nicht schön, wenn sie Türkisch oder Arabisch oder … irgendwie Muslimisch babbelten? Doch da kann man nix machen, ist halt eine Tatsache. Aber bei der Kultur hört der Spaß wirklich auf. „… denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.“ Das haben nämlich türkische Ziegenhirten und somalische Kamelmelker unter dem Elektronenmikroskop (deutsche Erfindung) zweifelsfrei festgestellt.

Bevor ich dazu komme, dein Schwachsinnsargument für diese Spatzenhirniade auseinanderzunehmen, eine direkte Ansage an dich, Aydan: Doch, es gibt eine deutsche Kultur – und sie ist allen Kulturen überlegen – der türkischen sowieso – der muslimischen … gut, wir sind hier nicht bei einem Sketch; Lachen wieder einstellen. Und ich will dir das an einem simplen Beispiel, mit dem du bestimmt nicht rechnest, beweisen.

Überall auf der Welt erzählen Eltern ihren kleinen Kindern Märchen. Es gibt indianische Märchen, persische, türkische, russische, afrikanische, chinesische, indische und und und … Aber, und jetzt kommt´s, kein Russe würde auf die Idee kommen, seinem Kind indische Märchen zu erzählen, und kein Chinese erzählt seinem Kind afrikanische Märchen und kein Türke seinem Liebsten russische. Das ist auf die unausgereifte, um nicht zu sagen unschuldige Vorstellungskraft des kindlichen Hirns zurückzuführen, das stets mit etwas Vertrautem aus der Realität gefüttert werden möchte, sei es, aus der unmittelbaren Umgebung (Geographie, Klima), sei es, aus der bereits erahnten kulturellen Identität. Will sagen, die jeweiligen Märchen müssen zwingend mit der Gedankenwelt des Kindes, die wiederum gekoppelt ist an die reale Welt und deren geistiges Erbe, etwas zu tun haben.

Bis aus auf eine Ausnahme: Die Märchen der Gebrüder Grimm! Ich sagte eben, daß jeder Landstrich, jede Ethnie oder meinetwegen jedes Volk ihre eigenen Märchen besäßen. Davon unberührt bleibt allerdings das Super-Hyper-Mega-Giganto-Märchen, das alle Märchen auf dem Planeten überwältigt und in die Schranken weist – das deutsche Märchengut. Unter uns gesagt, Aydan, in Wahrheit erzählt kein Russe seinem Kind mehr russische Märchen und kein Inder seinem Kind indische. Mit deutschen Märchen kann sich sogar das Eskimokind identifizieren, obwohl es vermutlich noch niemals in seinem kurzen Leben einen (deutschen) Wald gesehen hat, in den sich Hänsel und Gretel verirrt haben. Und auch der kleine Wüstensohn weiß mit Rotkäppchen etwas anzufangen. So wertvoll ist dieser deutsche Kulturschatz, daß davon sogar Umsätze und Gewinnerwartungen solcher gewichtigen Konzerne wie Disney und Toys „R“ Us abhängen. Die vielleicht 7000te Verfilmung von „Snow White and the Huntsman“ kostete 170 Millionen Dollar. Glaubst du im Ernst, die würden solche Budgets für die Verfilmung eines türkischen Märchens verballern? Neenene, Aydan, was (alte) Kultur anbetrifft ficken wir den gesamten Planeten! …“

 

Ein Beitrag von Akif Pirinçci auf Facebook 

6 comments

  1. Das Lied beispielsweise als spezifisch deutsche Kulturerscheinung scheint der Person Özeguz entgangen zu sein?-

    Özeguz als seriöse Person zumindest existiert nicht, sondern nur als Figur mit einem gefährlichen Halbwissen, welche der angestammten Kultur entwurzelt und in der neuen kein Zuhause gefunden hat.

    Eine traurige Erscheinung mit agressiven Potential der offenen Wunde des Kulturverlustes: eine Züchtung der Angelsachsen übrigens!

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