Iman Predigten nach Berlin- Attentat: „Größte Gefahr für Muslime ist das Weihnachtsfest“

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Constantin Schreiber wollte wissen, was in ganz normalen Moscheen in Deutschland tatsächlich so gepredigt wird. Also besuchte er Freitagspredigten in 13 verschiedenen Gebetshäusern. Focus Online sprach mit ihm darüber, wie in den Moscheen das Leben in Deutschland dargestellt wird.

FOCUS Online: Sie haben über acht Monate hinweg immer wieder Freitagspredigten in deutschen Moscheen besucht. Was haben Sie erwartet, als Sie zu Ihrer ersten Predigt gingen?

Constantin Schreiber:Ich hatte mir die Freitagspredigt in etwa so vorgestellt wie einen christlichen Gottesdienst in einer Kirche: besinnlich, ruhig, gediegen. Aber das läuft ganz anders ab: Leute rufen dazwischen, teils wird geflucht, das Mikro des Imams übersteuert – manchmal wollte ich mir die Ohren zuhalten, so laut war es.

FOCUS Online:Was haben Sie inhaltlich erwartet?

Schreiber:Ich dachte, es wird allgemein über das Leben philosophiert oder es gibt Hinweise zum Zusammenleben in Deutschland. Aber die Predigten hatten eigentlich nie mit dem Leben in Deutschland zu tun. Wenn das Leben hier erwähnt wurde, dann wurde eher gegen die Integration gepredigt: Zum Beispiel wurde der Alltag in Deutschland als Gefahr für glaubensfeste Muslime dargestellt. Selbst nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt hat der Imam, dessen Predigt ich gehört habe, das nur indirekt thematisiert:In Berlin seien Menschen gestorben. Und statt der Opfer zu gedenken, warnte er am Ende der Predigt die Zuhörer, die größte Gefahr für Muslime sei das Weihnachtsfest. Das ist empathielos.

sheik
Hasspredigten in Berlin: der Mann, dessen hasserfüllte Botschaft ein Youtube-Video dokumentiert, ist Sheikh Abu Bilal Ismail. Seine drastische Ansprache hielt der Prediger am vergangenen Freitag in der berüchtigten Al-Nur-Moschee im Berliner Stadtteil Neukölln.
FOCUS Online: Gab es weitere Inhalte, die Sie problematisch fanden?

Schreiber:Neben der Weihnachtspredigt die Aussage in einer schiitischen Moschee, man könne nicht Schiit und gleichzeitig Demokrat sein. Das ist erschreckend und zeigt, dass wir eine Debatte darüber brauchen, was in den Moscheen gepredigt wird. Das hätte ich so nicht erwartet. Aber man muss auch sagen: Das ist nicht ‚der‘ Islam, das ist ein sehr spezieller Ausschnitt muslimischer Wirklichkeit, über den wir jedoch auch sprechen müssen.

Flüchtlinge sagten, die Predigten seien konservativer als in Heimatländern

 

FOCUS Online:Die Predigten, die Sie in Ihrem Buch wiedergeben, wirken alle ziemlich konservativ. Hat Sie das überrascht?

Schreiber:Ja. Ich dachte, dass es ein breiteres Spektrum geben würde, wenigstens vereinzelte liberalere Stimmen. „Flüchtlinge“, die das Freitagsgebet besuchten, sagten mir oft, dass die Predigten konservativer seien als sie es aus ihren Heimatländern gewohnt seien. Ein Islamwissenschaftler, mit dem ich darüber sprach, stufte das als ‚Mainstream‘ für Deutschland ein: Die meisten Freitagspredigten in Deutschland seien so. Wer liberaler ist, geht vielleicht nicht unbedingt zur Freitagspredigt in die Moschee.

FOCUS Online:Sie beschreiben, dass bei vielen Freitagsgebeten Schulkinder anwesend waren – während der Schulzeit…

Schreiber: Das wundert mich in der Tat sehr. Natürlich habe ich keine wissenschaftliche Untersuchung vorgelegt, sondern eine Reportage. Aber es war schon sehr auffällig, wie viele junge Menschen in den Moscheen waren – oft ganze Schülergruppen. In einer Moschee konnte ich sehen, dass Gruppen von einer nahegelegenen Schule herüberkamen. Und es war keine Ferienzeit. Da fragt man sich schon: Erlaubt die Schule das? Wissen die Eltern überhaupt davon?

Das Interview mit Constantin Schreiber führte der

Focus Online

 

One comment

  1. Es mag nur ein winziger Ausschnitt sein. Es gibt offiziell 2750 bekannte (meist größeren Moscheen) und viele Hundert „Hinterhofmoscheen“ und private Gebetsräume.

    Wenn es aber in 13 besuchten Moscheen durchgängig so zugeht, wie beschrieben, dann lässt das für die anderen Moscheen ähnliches zumindest vermuten.

    Constantin Schreiber gehört zu den ganz wenigen Journalisten, die sauber arbeiten. Nebenbei bemerkt, hat er einige Jahre in Syrien gelebt und sprich/versteht ausreichend arabisch um die Predigten richtig verstehen zu können. Außerdem hat er die türkischen Texte zur Sicherheit noch Experten vorgelegt.

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