Hirnforschung : Kann das menschliche Hirn im Computer simuliert werden?

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Wie weit kann man menschliches Denken in einem Computer simulieren? Daran arbeitet ein Forschungsprojekt der EU. Das Verfahren habe bestimmte Grenzen, sagt die Hirnforscherin und Direktorin Katrin Amunts. Das sei die Individualität jedes Menschen: „Es gibt nicht das Gehirn an sich.“

„Human Brain Project“ heißt ein großes Forschungsvorhaben der Europäischen Kommission. Es hat zum Ziel, das derzeit verfügbare Wissen über das menschliche Gehirn zu vereinen und in computergestützten Simulationen nachzubilden.

Die Hirnforscherin Katrin Amunts ist Scientific Research Direktorin dieses Projektes. Sie beschreibt in einem Interview die Möglichkeiten und Grenzen dieser wissenschaftlichen Arbeit. Die Simulation über mathematische Modelle sei zunächst einmal ein Werkzeug zum besseren Verstehen der Abläufe im menschlichen Gehirn:

„Wir wissen natürlich schon sehr viel über bestimmte Prozesse, die zum Beispiel auf der Ebene von Nervenzellen vor sich gehen oder auf der Ebene von großen funktionalen Systemen. Und dieses Wissen versuchen wir nun, in Simulationen zu integrieren, um dann wieder aus diesen Simulationen etwas zu lernen, was wir dann im Labor überprüfen können.“

Wie weit darf die Wissenschaft gehen?

Es gibt warnende Stimmen, die vor einem Missbrauch von Technologien warnen: Menschen versuchten, mittels der Wissenschaft auch gleichsam göttliche Fähigkeiten zu erlangen. Die Einschätzung von Amunts zu dieser Problematik lautet:

„Ich habe darüber keine Sorgen, wenn ich jetzt an die nächste Simulation denke, die wir vielleicht in zehn Jahren haben. Aber dieses Problem ist ein ganz starkes, die Gefahr ist sicherlich da. Nicht unbedingt aus der Simulation heraus kommend, sondern aus ganz anderen Entwicklungen in der Naturwissenschaft, in der Medizin, die wir im Moment haben. Und wo wir uns ganz genau fragen müssen: Wie weit wollen wir gehen? Was wollen wir zulassen? Und wo sagen wir ‚Stop‘? Das betrifft unser innerstes Menschsein. Und das wollen wir so nicht.“

Computer gegen Mensch

Gängige Vergleiche zwischen dem Gehirn und dem Computer machten keinen Sinn, sagt Amunts: Das seien zwei völlig unterschiedliche Dinge:

„Der Computer ist dafür gemacht, dass er etwas berechnet, basierend auf mathematischen Modellen und Algorithmen. Das Gehirn – das ist ein Teil von uns, von uns, von uns Menschen. Und wir sind ja nicht nur das Gehirn, wir haben ja noch eine gewisse Peripherie. All das macht uns als Persönlichkeit aus. Und das Organ Gehirn ist darin eingebettet und hat sich über eine lange Evolution entwickelt.“

Es gibt nicht das Gehirn an sich“ – Modelle suchen nach Variabilität

Die Definition dessen, was den Menschen mit seinen kognitiven und emotionalen Fähigkeiten wirklich ausmache, sei schwierig, machte Amunts deutlich. Das habe bisher in einem Computer noch gar nicht realisiert werden können. Schließlich sei jeder Mensch „extrem individuell“:

„Denn es gibt letztendlich nicht das Gehirn an sich, sondern es gibt ganz viele Gehirne – so wie es eben in der Welt auch ist. Und unsere Modelle müssen versuchen, auch genau diese Spannbreite, also Variabilität irgendwie widerzuspiegeln.“

Katrin Amunts, Scientific Research Direktorin beim „Human Brain Project“ der EU, ist Professorin für Hirnforschung und Leiterin des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich. Sie wurde 2012 in den Deutschen Ethikrat berufen,

Das volle Interview zur Thematik mit Frau Amunts ist abrufbar unter

der Quelle: Deutschlandradiokultur

2 Kommentare

  1. Das Letzte, was kuenstliche Intelligenz versuchen sollte, ist, das menschliche Gehirn (das sich vom Gorillahirn hauptsaechlich durch einen etwa doppelt so grossen Cortex unterscheidet) zu simulieren. Da wir mit AI noch in den Kinderschuhen stecken, ist aber momentan sogar diese Analogie noch hilfreich. Experten gehen davon aus, dass AI in wenigen Jahren den Menschen so behandelt wie wir unsere Haustiere, weil wir’s halt einfach nicht so drauf haben und man uns keine wichtigen ENtscheidungen treffen lassen kann.
    Man stelle sich mal vor, dass Affen etwas Kluegeres schaffen wollen als sie selbst es sind – das ist wohl die bislang einzige echt vornehme AUfgabe, die wir uns gestellt haben. Gung Ho !

    Gefällt mir

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